Neue Wege im Bereich Abwasser

Spatenstich zur dritten Erneuerung der Kläranlage Rutesheim

Bei herrlichem Wetter fand letzte Woche auf dem Gelände der Kläranlage am Eisengriffweg der Spatenstich zur Erweiterung und Modernisierung der Anlage statt. Fachplaner, am Bau Beteiligte sowie Gemeinderätinnen und Gemeinderäte waren vor Ort, um gemeinsam mit den Verantwortlichen den Startschuss für ein Projekt zu geben, das deutliche Veränderungen und Verbesserungen für den Betrieb der Anlage und den gesamten Wasserkreislauf mit sich bringen wird.

„Das Abwasser von heute ist das Trinkwasser von morgen“ – erklärte Erster Beigeordneter Martin Killinger, denn es machte deutlich, welche Verantwortung moderne Abwasserreinigung trägt. Wasser wird nicht verbraucht, sondern gebraucht und dem natürlichen Kreislauf wieder zugeführt. Eine zuverlässige Reinigungsleistung der Kläranlage ist daher ein zentraler Beitrag zum Umwelt- und Naturschutz. Die Kläranlage Rutesheim wurde 1961/62 gebaut und zuletzt vor 23 Jahren modernisiert. Seitdem erfüllt sie auch die dritte Reinigungsstufe zur Nitrifikation, also zur Umwandlung von Ammoniumstickstoff in Nitrat. Mit dem nun erfolgten Spatenstich beginnt die dritte grundlegende Erneuerung der Anlage – und sie bringt bedeutende technische Neuerungen mit sich.

Umstellung auf anaerobe Schlammstabilisierung

Kernstück des Projekts ist die Abkehr von der bisherigen aeroben hin zur anaeroben Schlammstabilisierung. Bei diesem Verfahren werden die biologischen Abbauprozesse im Klärschlamm unter Luftabschluss gehemmt beziehungsweise beendet. Dabei entsteht Biogas, das energetisch genutzt werden kann. Herzstück dieser neuen Technik sind zwei liegende Kompaktreaktoren mit einer Länge von jeweils 17 Metern und einem Durchmesser von rund zwei Metern. Das Vorhaben umfasst Investitionen von rund 5 Millionen Euro, die mit rund 940.000 Euro durch Land und Bund gefördert werden.

Mit dem Umbau werden mehrere Ziele erreicht:

  • Deutliche Reduzierung des Energieverbrauchs – die Kläranlage gehört zu den größten Stromverbrauchern der Stadt, künftig sollen diese Zahlen deutlich sinken.
  • Erhebliche Reduktion der Klärschlammmenge – von bisher rund 900 Tonnen auf etwa 300 Tonnen jährlich.
  • Beitrag zur Klimaneutralität – durch Biogaserzeugung und die Nutzung der entstehenden Wärme, die in das Nahwärmenetz der Stadtwerke eingespeist werden soll.
  • Erhöhung der Betriebssicherheit und Reinigungsqualität.

Fachplaner Günter Eisele erläuterte beim Spatenstich die technischen Hintergründe und verwies auf ein ähnliches Versuchsprojekt der Universität Stuttgart aus den Jahren 2020 bis 2022, bei dem liegende Faulbehälter erfolgreich getestet wurden. Nun werde diese innovative Technik erstmals in dieser Form in Rutesheim realisiert. Auch Peter Maurer von der Uni Stuttgart zeigte sich gespannt auf die kommenden zwei Jahre. Die Universität werde das Projekt eng begleiten und einen digitalen Zwilling der Anlage erstellen – ein wichtiger wissenschaftlicher Mehrwert. Rutesheim gehe damit erneut einen mutigen Schritt voran und übernehme eine Vorreiterrolle.

Das Team der Kläranlage mit Michael Seiter und Thomas Weeber sowie das Bauamt begleiteten die Planungen eng und kompetent. Alle Beteiligten arbeiten unter den besonderen Herausforderungen eines laufenden Kläranlagenbetriebs – denn pausieren kann eine solche Anlage nicht.

Dank an alle Beteiligten

Erster Beigeordneter Martin Killinger dankte im Namen der Stadt – und der krankheitsbedingt entschuldigten Bürgermeisterin Susanne Widmaier – allen am Projekt Mitwirkenden für ihr Engagement und ihre Fachkompetenz, dem Ministerium, dem Landratsamt Böblingen und dem Regierungspräsidium für Beratung, Unterstützung und Förderung sowie den Mitarbeitern der Stadtverwaltung. Dank gilt dem Gemeinderat für sein Vertrauen und für seine Beschlüsse.

Mehrere Personen stehen mit ihren Spaten zwischen einem kleinen Sandhügel und einem Klärschlammbecken.
Foto: Spatenstich Kläranlage Rutesheim