Rutesheimer Waldbegang 2025
Baumvielfalt macht Wälder klimaresilienter
Eine große Menschengruppe versammeltesich am Montagabend, 23. Juni, an der Tannenwaldhütte. Ihr Ziel: der Rutesheimer Wald. Alexandra Radlinger, stellvertretende Amtsleiterin „Forsten“ im Landratsamt Böblingen, und Forstrevierleiter Ulrich Neumann nahmen Vertreter der Stadtverwaltung und des Gemeinderats sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger mit zum alljährlichen Waldbegang. Bürgermeisterin Susanne Widmaier begrüßte alle sehr herzlich und freute sich über das große Interesse.
„Wir setzen uns hier in Rutesheim sehr stark für den Klimaschutz ein und ein wichtiger Schwerpunkt ist dabei der Wald“, erklärt sie. Auf der 1.622 Hektar großen Gemarkung befinden sich rund 500 Hektar Wald. Davon gehören rund 99 Prozent der Stadt. „Wir müssen unbedingt versuchen, zu erhalten, was wir haben.“ Teilweise bedeute das eine Durchmischung und Ergänzung der Waldbestände mir klimaresistenteren Neupflanzungen.
Unter den Laubbäumen bilden die Buchen den Schwerpunkt, südlich der Autobahn dominieren Fichten und Tannen. Knapp 50 Prozent der Waldbestände sind Buchen, gefolgt von rund 25 Prozent Fichten, sieben Prozent Weißtannen und fünf Prozent Eichen. „Daran ändert sich aber im Moment sehr viel“, erzählt Ulrich Neumann bei der kurzen Einführung in das Thema. Die forstliche Baumartenkarte werde nach der nächsten zehnjährigen Forsteinrichtung ab 2027 ganz anders aussehen, ist er sicher.
Im Rahmen besagter Forsteinrichtung werden alle Waldbestände überprüft, der Ist-Zustand festgestellt und die Planungen für die nächsten zehn Jahre festgelegt. Dann wird sich zeigen, wie sehr sich der Rutesheimer Wald in den letzten Jahren verändert hat und wo im nächsten Jahrzehnt Schwerpunkte gesetzt werden müssen. Wo kann mit der Naturverjüngung der Baumarten gearbeitet werden, wo muss nachgepflanzt werden und wo greift der Forst gar nicht mehr ein.
Was uns gegen den Klimawandel rüste, sei vor allem eine Vielfalt an Baumarten, pflichtet der Forstrevierleiter Susanne Widmaier bei. Noch könne man nicht so genau sagen, welche Arten sich behaupten werden, aber mit mehr Auswahl stünden die Chancen auf einen klimaresilienteren Wald deutlich besser. Das Forstteam um Ulrich Neumann tut alles, um den Rutesheimer Wald möglichst gesund zu halten. So werden derzeit beispielsweise auch Atlas-Zedern, Kastanien, Walnussbäume und Kirschbäume gepflanzt.
Ulrich Neumann zeigte sehr anschaulich, wie die Neupflanzungen erfolgen und wie die jungen Bäumchen vor allem vor dem Verbiss durch Rehwild geschützt werden. Das Prinzip der Nachhaltigkeit erfordert zudem, dass nicht mehr Holz eingeschlagen wird als tatsächlich nachwächst. Das gilt auch im Blick auf die neue Heizzentrale der Stadtwerke Rutesheim. Auch wenn der Stadtwald Rutesheim Abfallholz dafür liefern wird, darf und wird nicht mehr eingeschlagen als natürlich nachwächst. Dabei werden auch zusätzliche Einschläge beispielsweise durch Käferholz oder nach Sturmschäden mitgezählt und berücksichtigt.
Besorgniserregender Zustand
Dass dringend Handlungsbedarf besteht, zeigt der aktuelle Zustand des Waldes. Auf etwa 175 der insgesamt rund 500 Hektar stehen über 100 Jahre alte Bäume – und nur noch circa 20 Prozent dieser alten Bäume sind gesund. Der geringer gewordene jährliche Niederschlag reicht bei Weitem nicht mehr, die Bäume sind geschwächt, Borkenkäfer und Pilze haben leichtes Spiel. In der Folge sterben die Bäume.
Es müssen verstärkt kranke oder gar schwerkranke alte Bäume gefällt und die freiwerdenden Flächen engagiert neu bepflanzt werden. Hochinteressant war die Fällung einer rund 30 Meter hohen Weißtanne, die nur noch rote Nadeln trug. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass dieser über 100 Jahre alte Baum abgestorben ist.
Vor Ort wurden den Teilnehmenden die Fällschnitte und der Einsatz des neuen Schleppers erläutert, den die Stadt 2024 zum Preis von rund 150.000 Euro für ihre Forstabteilung angeschafft hat. Der UVV-Schlepper ist ein besonders stabiler Schlepper mit sehr kräftigem Schutz des Unterbodens und der Fahrerkabine von allen Seiten und ausgestattet mit speziellen Felgen und Reifen, einer Seilwinde am Heck und einem Frontlader. Diverse Anbaugeräte wie Frontgreifer, Palettengabel, Mulchgerät können an dem Schlepper angebracht werden, um zusätzlich Arbeiten verrichten zu können.
Bei der Anschaffung wurde darauf geachtet, dass der Schlepper und seine Anbaugeräte mit denen des Bauhofs kompatibel sind. Der neue Schlepper dient vor allem dem Arbeitsschutz und der Gesundheitsvorsorge für die Waldarbeiter bei ihrer gefährlichen Arbeit, wie bei der Fällung der abgestorbenen Weißtanne. Um den Arbeitsablauf mit allen Teilarbeitsschritten darzustellen; wurde die seilunterstützte Fällung demonstriert – natürlich mit ausreichendem Sicherheitsabstand aller Anwesenden. Nur durch Einsatz der Seilwinde des UVV-Schleppers konnte sichergestellt werden, dass der Baum beim Fällen in die richtige Richtung fällt.
Für das regelmäßige Rücken des eingeschlagenen Holzes zu den Waldwegen wird der Schlepper nicht eingesetzt. Bis August 2023 hat die Firma Walter Binder diese Aufgabe übernommen. Nach Ausschreibung der Leistung rückt aktuell die Firma Forstbetrieb Lorenz Deuss aus Leonberg das eingeschlagene Holz an die Waldwege heran.
Beim Abschluss des Waldbegangs an der Tannenwaldhütte drückte Bürgermeisterin Susanne Widmaier ihren Dank an Ulrich Neumann und sein Forstteam, aber auch an Alexandra Radlinger aus: „Unser Wald ist bei Ihnen in guten Händen.“
Übrigens:
Im nächsten Jahr ist der Waldbegang für Montag, 22. Juni 2026, 18 Uhr geplant.

