Nicht jedes junge Vögelchen ist hilflos

Was tun, wenn es am Boden piept?

Eine junge Amsel sitzt auf dem Boden. Ihr Gefieder ist noch völlig zerzaust. Sie ruft kläglich nach ihren Eltern, die scheinbar nicht in der Nähe sind. Der Anblick ist herzzerreißend und löst bei vielen Menschen unweigerlich den Helferinstinkt aus. „Anstatt sofort zu handeln und den gefiederten kleinen Piepmatz aufzunehmen und in eine Pflegestation zu bringen, ist Beobachten der erste richtige Schritt“, rät Rebecca Strege, Vogelpflegerin im NABU-Vogelschutzzentrum in Mössingen.

In den meisten Fällen handelt es sich bei den rufenden Jungvögeln um sogenannte Ästlinge. Im Gegensatz zu Nestlingen halten sie sich außerhalb des Nests auf, sind bereits gefiedert und haben ihre Augen geöffnet. Je nach Art werden sie jedoch für rund 14 Tage weiterhin von ihren Altvögeln mit Insekten gefüttert. „Haben Sie Zweifel, ob die Vogeleltern den Nachwuchs noch umsorgen? Dann beobachten Sie das Geschehen zunächst aus weiter Entfernung für etwa eine Stunde“, ergänzt die NABU-Vogelexpertin.

Erste Hilfe für hilfsbedürftige Piepmätze

Am Besten bringt man einen unverletzten Jungvogel in sein Nest zurück oder in eine nahe Hecke. Ist er offensichtlich verletzt? Dann den kleinen Findling am Besten in einen mit Küchenpapier ausgelegten und mit Luftlöchern versehenen Karton setzen. Einen durchnässten Vogel in der Wärme trocknen lassen. Um den Piepmatz dabei zu unterstützen, kann man eine Wärmflasche mit handwarmem Wasser befüllen, mit einem Handtuch umwickeln und den Vogel daraufsetzen. Wichtig ist, dass er dabei nicht überhitzt. Beginnt der Vogel zu hecheln oder wirkt schwach, ist das ein Zeichen, dass es ihm zu warm ist. Wurde er bereits in diesem Zustand gefunden, bringt man ihn zunächst an einen schattigen und kühlen Ort.

So erkennen Sie, dass ein Jungvogel wirklich Hilfe braucht:

Es handelt sich um einen Nestling:

Nestlinge sind daran zu erkennen, dass ihre Augen noch geschlossen sind und das Gefieder noch nicht ausgebildet ist. Diese Jungvögel werden rund um die Uhr von ihren Eltern gewärmt und gefüttert. Findet man einen Nestling, sucht man das Nest und setzt den Winzling wieder dahin zurück. Wenn das nicht möglich ist, ist eine Auffangstation die richtige Anlaufstelle.

Der Jungvogel ist offensichtlich verletzt:

In diesem Fall ist professionelle Hilfe nötig. Ein Tierarzt, eine Tierärztin oder eine Vogelauffangstation sind für solche Fälle die beste Adresse.
 

(Quelle: NABU)

Ein kleines braunes Vogeljunges mit gelbem geöffnetem Schnabel sitzt im grünen Gras.
Foto: Nadine Bettinghausen / NABU