Buchen, Eschen und Fichten leiden unter Trockenheit und Schädlingen

Am vergangenen Freitag versammelte sich eine große Menschengruppe am Minigolf-Parkplatz. Das Ziel: Der Rutesheimer Wald. Forstrevierleiter Ulrich Neumann und Alexandra Radlinger, die Stellvertretende Amtsleiterin „Forsten“ im Landratsamt Böblingen, nahmen Vertreter der Stadtverwaltung, den Gemeinderat sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger mit zum alljährlichen Waldbegang.

Die Botschaft, die die beiden Forstexperten mitbrachten, bereitet Bauchschmerzen. Der Rutesheimer Wald ist, wie viele andere Wälder deutschlandweit, in besorgniserregendem Zustand. Die Wälder leiden deutschlandweit unter anhaltender Trockenheit. Weniger Niederschlag gepaart mit steigenden Temperaturen machen den Bäumen schwer zu schaffen. „Das sieht man in den letzten zwei Jahren extrem am Gesundheitszustand vor allem der Buchen und der Fichten“, so Neumann. Rutesheim steht im bundesweiten Vergleich zwar immer noch besser da als andere Regionen im Norden, aber im Kreis Böblingen gehört der Stadtwald zu den am schwersten betroffenen Revieren. Geschädigte Bäume werden deshalb entlang von Wegen aus Sicherheitsgründen gefällt. Unzählige große Buchen tragen in ihren Kronen kein Laub mehr. Lediglich dürre Zweige ragen noch in den Himmel. Ein untrügliches Zeichen, dass das Buchensterben sich in Rutesheim schnell ausbreitet. Ein kleiner Lichtblick ist, dass sich die jungen Buchen dagegen im Moment noch recht gut gegen den Klimawandel behaupten und kräftig wachsen. „Wir hoffen, dass sie sich über die nächsten Jahrzehnte anpassen können.“

Ein weiterer Faktor für den schlechten Waldzustand ist die rasante Ausbreitung des Borkenkäfers. Seit etwa zwei Jahren explodiert die Population und befällt vor allem Fichten. Aber auch alle anderen Baumarten haben „ihre“ spezielle Borkenkäferart, die große Schäden anrichtet. Gerade bereits angeschlagene Bäume haben wenig Widerstandskraft gegen den Schädling.“ Die Fichte hat keine Chance mehr im Wald“, sagt Alexandra Radlinger. Und auch die Eschen leiden bekanntlich schon länger unter einem Pilz, der aus gesunden Bäumen innerhalb kurzer Zeit morsche Exemplare macht. Vor zehn Jahren habe man noch sehr viele Eschen gepflanzt, so Neumann. Seit etwa acht Jahren ist der Pilz bekannt und nun werden auf Freiflächen vor allem Douglasien angesiedelt. Die haben sich bewährt und kommen sehr viel besser mit dem Klimawandel und anderen Einflüssen zurecht. Zum Teil verjüngt sich der Wald durch Pflanzenableger noch selbst. „Wir können aber nicht überall abwarten.“ Auf Flächen über 1.000 Quadratmeter helfen die Forstarbeiter nach und pflanzen junge Bäume, eingehüllt in Plastik, damit sie vor Verbiss durch Wild geschützt sind. Ein toller Vorschlag kam aus den Reihen der Zuhörer: Damit das Plastik nach rund zehn Jahren im Einsatz nicht im Wald liegen bleiben, könnte man daraus eine Bürgeraktion machen und sie einsammeln, wenn sie ausgedient haben. Das können die Forstmitarbeiter alleine nicht bewältigen. Die Zeit lässt es nicht zu.

Am Ende der rund zweieinhalbstündigen Tour luden Bürgermeisterin Susanne Widmaier und Erster Beigeordneter Martin Killinger noch zu einem Vesper ein. Ulrich Neumann und Alexandra Radlinger beantworteten gerne alle noch offenen Fragen.

Alt- und Totholzkonzept

Im Zuge der letzten Forsteinrichtung hat Rutesheim ein Alt- und Totholzkonzept mit Waldrefugien und Habitatbaumgruppen umgesetzt. Bei einer ordnungsgemäßen Waldbewirtschaftung von Wäldern ist aufgrund der gekappten Alters- und
Zerfallphasen von Bäumen der Anteil an Alt- und Totholz gering. Eine Ausweisung von Waldrefugien und Habitatbaumgruppen führt aufgrund des Pflege- und Nutzungsverzichtes zu natürlichen Alterungsprozessen und anschließendem Zerfall der Bäume in diesen Bereichen. Somit werden im Rutesheimer Wald wichtige Lebensstätten für Tierarten gefördert, welche auf Altholz und Totholz im Wald angewiesen sind.
 

Personengruppe im Wald